Der Sommer kommt und damit erscheinen bald auch jene Plagegeister wieder auf der Bildfläche, die nicht nur erbarmungslos zustechen, sondern einem auch dank Juckreiz die Nacht über auf Trab halten. Da hilft nur eins: Zuschlagen. Nein, sagt René Csuk, Professor für Organische Chemie an der Leipziger Martin-Luther-Universität, “Insekten muss man nicht töten, man muss sie aber abwehren.” Und er glaubt ein Mittel gefunden zu haben.

Hmm. Wir wissen, dass Insekten weltweit enorme Schäden an Ernteerträgen verursachen, sie sind ein Problem bei der Wiederaufforstung und außerdem übertragen Sie noch eine Menge Krankheiten. Wer also braucht diese Viecher?
Leider haben Sie auch einen Nutzen, als Regulativ, als Pollenverbreiter und Bestäuber, als Nahrungsquelle und und und.

Ziel aktueller Forschung ist es also, nicht einfach mal eben halb Deutschland mit einem Gift einzusprühen, sondern etas mildere Mittel zu finden. Csuk und seine Mitarbeiter haben nun ein sogenanntes Repellent in der Natur selbst gefunden.

Der Thrips Suocerathrips linguis, ein kleines Insekt, wehrt sich gegen Ameisen, indem er ein Tröpfchen absondert. Nach den ersten groben Vermutungen, wie dieses Abwehrsekret wirkt, führten Chemiker damit entsprechende Analysen durch. Dabei wurde eine bisher unbekannte Verbindung entdeckt, welche als (11Z)-Eicosadienylacetat identifiziert werden konnte; diese Verbindung übt auf Ameisen eine starke Repellentfunktion aus. Soll heissen: Die Plagen hauen ab oder kommen erst gar nicht.

Nach der Analyse bauten die Chemiker das Abwehrsekret künstlich nach. Und dann die Feuertaufe: Der neue Stoff wurde an Ameisenvölkern getestet. Die Ameisen wurden mit Putenfleisch und Honigwasser, platziert auf einem Filterpapier, angelockt. Es gab zwei Proben: Bei der ersten Probe wurde um das Fleisch eine verdünnte Lösung des neuen Repellents gegeben. Bei der zweiten Probe gab es keine Abwehrversuche. Dann wurde zu bestimmten Zeitpunkten gezählt, wie viele Ameisen auf den jeweiligen Fleischstückchen zu finden waren. Das Ergebnis war eindeutig: Während sich auf dem Honighuhn mit dem Abwehrsekret nur sehr wenige Ameisen befanden, waren sie auf der Gegenprobe zahlreich vorhanden.
Ameisen auf Huhn

Bisher kam zur Insektenabwehr hauptsächlich das Mittel N,N-Diethyl-m-toluamid (DEET) für den persönlichen Schutz zum Einsatz, das die Basis für zum Beispiel Autan bildet. Zur Vorsorge für Kleidung, Schuhe und Ausrüstungsmaterial ist besonders im militärischen Bereich Permethrin weit verbreitet. Doch diese Mittel haben Nebenwirkungen. DEET kann zu Hautreizungen führen. Besonders bei kleinen Kindern kann man nur eine verdünnte Konzentration verwenden. “Dies ist besonders nachteilig in Dritte-Welt-Ländern, wo Malaria weit verbreitet ist”, erklärt Prof. Dr. Csuk. Permethrin hat bei einer zu hohen Dosierung schädliche Wirkungen auf das menschliche Nervensystem. Durch das neue Abwehrmittel sollen solche Nebenwirkungen vermieden werden.

Na, dann kann der Sommer ja kommen!

Weiterführende Links:
Wikipedia Repellent

Reduzierung der Eiablage von C. ohridella (Deschka & Dimic)durch Repellents


Fotohinweise: Bild 1: Das Experiment mit Putenfleisch und Honigwasser, rechts mit verdünnter Lösung des neuartigen Repellents, links ohne. Foto: Prof. Dr. René Csuk.
Bild 2: Foto von EikeR, Flickr.com
Bild 3: Ameisen tragen einen Brotkrümel. Foto Poagao