Streckenposten: Warum Mieze Schindler Geschmack hat
Thorsten, ich bin zwar nicht so wild auf Deinen Erdeermund, wie Klaus Kinski einst in einem Lied sang, aber nicht nur das ist eine Frage des Geschmacks. Vielmehr die Erdbeere selbst. Denn um deren Geschmack scherte sich lange Zeit kaum einer. Jetzt kommt aber die Rettung aus Quedlinburg.
Erdbeeraroma ist eine komplizierte Sache, denn anders als für das Aroma der Kirsche, wo lediglich zwei, drei Substanzen ausschlaggebend sind, lassen sich in der Erdbeere 360 Substanzen finden, die für den Geschmack verantwortlich sind.
Leider ist Geschmack nicht alles, wie wir schon von der Tomate wissen.
Neben dem ansprechenden Aroma muss so ein Früchtchen heutzutage auch widerstandfähig gegen Krankheiten und transportabel sein. Die Züchtungsforscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Quedlinburg versuchen, neue robuste Sorten mit möglichst viel Aroma zu züchten.
Auf dem Weg dahin sind sie jetzt einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Mit eigens entwickelten Methoden wurden in Kultur- und Wildformen der Erdbeere 200 flüchtige Inhaltsstoffe gemessen. Dann hat man geschaut, wie die vererbt werden. UNd tatsächlich sind bei der Vererbung von Eigenschaften wie Haltbarkeit und Farbe die Aromen auf der Strecke geblieben. Methylanthranilat heisst der Stoff, der eigentlich für die blumig-fruchtige, walderdbeerartige Note zuständig ist. In Hochleistungssorten ist der gar nicht mehr nachweisbar.
Dafür aber in der Mieze Schindler. Das ist eine alte Sorte, von damals, als die Erdbeere noch richtig nach Erdbeere schmeckte. Und sie soll jetzt sozusagen wieder frischen (naja, eigentlich alten) Wind in die Erbanlagen bringen. Die Forscher versuchen nämlich, ihre guten Aromaeigenschaften mit den Sorten zu kombinieren, die besonders haltbar sind.
Die Erderbeerzüchtungen bei denen “Mieze Schindler” (aromatisch top, aber leider nicht transportabel) mit der robusten “Elsanta” (schmeckt nach nichts, kann aber auch mal runterfallen und geht nicht kaputt) gekreuzt wird, laufen auf vollen Touren. Der Geschmack einiger neuer Kreuzungen sei sehr erfreulich gewesen. Und schließlich ist “Mieze Schindler” nur einer von vielen Kreuzungspartnern, die in der Genbank in Dresden lagern. Nachdem nun die Aromamuster der Wildformen bekannt sind, lassen sich auch unter ihnen geeignete Partner finden, die den Geschmack der Erdbeeren aufpeppen helfen.
Also Ihr beiden, denkt mal dran, wenn Ihr Euch jetzt ein Erdbeereis holt, dass darin vielleicht noch das Erbe der Mieze Schindler schlummert.
Weiterführende Links:
Mieze Schindler
Pflanzenzüchtung und sensorische Qualität
Natürliches Erdbeeraroma
Fotohinweise:
Erdbeergesicht: http://flickr.com/photos/dersven/497900045/
Gegenüberstellung der Aromamuster von “Mieze Schindler” (oben) und Elsanta
Grafik: Ulrich/JKI
Erdbeervielfalt in der Genbank des JKI
Foto: ÖPV/JKI